Pflege Mähderwiesen

Mähderwiesen sind historische, außergewöhnlich artenreiche Wiesentypen des Mittelalters. Sie lagen in der Regel an den Markungsgrenzen und konnten durch die große Entfernung zum Hof nicht mit Stallmist gedüngt werden. Durch die daraus resultierende Ausmagerung der Wiesen konnten viele Pflanzen- und Tierarten einwandern. Die Bewirtschaftung der noch anfangs des vorigen Jahrhunderts durch ihren legendären Schmetterlingsreichtum berühmten Wiesen wurde durch die Mechanisierung der Landwirtschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts intensiviert und sie verloren ihren Artenreichtum.
Felsentalwiese2.8.08
Der Bezirksgruppe Geislingen/Stg. des BNAN war die Erhaltung der Reste dieser historischen Mähder von Anfang an ein großes Anliegen. Es wurden fünf Wiesen aufgekauft und darüber hinaus weitere wertvolle Wiesenbiotope, darunter die Holzwiese des Felsentales bei Geislingen-Eybach oder die Scheintalwiesen bei Urspring auf der Alb, gepflegt.
Die Arbeit auf den Wiesen der letzten 30 Jahre mit über 10.500 Arbeitsstunden, wurde durch die Rückkehr der einstigen Blütenpracht belohnt und unsere Wiesen zählen zu den artenreichsten im Landkreis Göppingen. Für ihre Pflege gelten folgende Grundsätze:

Fliege 300

  • Eine Mähderwiese sollte je nach Höhenlage zwischen „Jakobi" (25.Juli) bis Ende August gemäht werden, der Zeitpunkt muss sich nach der Fruchtreife der Arten richten.
  • Eine Mähderwiese mit vielen Steppenheidearten sollte besser im September gemäht werden.
  • Sehr spät fruchtende Arten sollten um ihrer Konkurrenzempfindlichkeit willen am Beginn der Vegetationsperiode gemäht werden. Wo dies nicht praktikabel ist, muss ihr Standort bei der herbstlichen Pflege berücksichtigt werden.
  • Eine Pflege, die nur auf spezielle Pflanzengruppen, wie z.B. Orchideen oder Enziane abgestellt ist, wird zu keinem befriedigenden Ergebnis führen. Besser ist es, jährlich wechselseitig Teile der Wiesenfläche zu mähen und dort dann kleinflächig auf die besonderen Bedürfnisse, wie z.B. die der magerkeitsliebenden oder konkurrenzempfindlichen Arten einzugehen.
  • Um die Nachhaltigkeit einer Wiesenpflege zu bewahren, sollte ein Pflegekataster geführt werden. Darin müssen die Besonderheiten des Biotopes, die Ansprüche seiner Pflanzengesellschaften und die Verfahrensweise der erforderlichen Pflegearbeiten niedergeschrieben sein.

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Die Arten einer Mähderwiese im Bereich der Schwäbischen Alb sind in der Regel aus unterschiedlichsten Richtungen eingewandert. Man kann Pflanzen mit alpiner, atlantischer, europäisch-asiatischer, kontinentaler, mediterraner und ozeanischer Herkunft feststellen.
Eine große Bedeutung haben die Arten der nacheiszeitlichen Steppenheide und die der mediterranen Einwanderer. Wie bedeutsam diese Lebensgemeinschaften für den Artenschutz sind, lässt sich daran ablesen, dass auf einer Wiese des BNAN im oberen Filstal, die schon 29 Jahre gepflegt wird, 23 Arten der „Roten Liste" und 31 Arten der „Roten Liste Schwäbische Alb", darunter 16 gefährdete und 7 stark gefährdete Pflanzenarten festgestellt wurden.
Dies verdeutlicht den Erfolg unserer Arbeit, zumal dieser Artenreichtum einer vielfältigen Insektenwelt Nahrungsgrundlage unserer heimischen Vogelarten ist.