Die BNAN-Heide am Weigoldsberg

Naturdenkmal 10/13

Weigoldsbergheide25.6.20101Der Weigoldsberg beherrscht als mächtige, scheinbar mitten im Tal stehende 711 Meter hohe Pyramide das Landschaftsbild des mittleren Filstales. Nur durch einen schmalen Sattel vom Haarberg/Wasserberg-System getrennt, fehlt ihm nicht viel zu einem vollkommenen Umlaufberg. Die Wege von den nordöstlichen Bergflanken führen nach Unterböhringen hinüber. Südöstlich, wo der von Unterböhringen kommende Röhrbach in die Fils mündet, liegt am Fuß des Berges Hausen/Fils und am Westabhang im Mündungsbereich des Fischbachtales Reichenbach im Täle.

Berg-Kronwicke-Coronille-coronataWeigoldsbergheide25.6.10Am Südwesthang, auf 640 Meter Höhe findet sich an dem geologisch zur kuppigen Flächenalb gehörenden Berg unsere knapp 1 ha große Weigoldsbergheide.
Offen zu Tage tretender Kalkschutt, dünne Humusdecke, lockerer wasserdurchlässiger Boden, Kargheit, intensive Sonneneinstrahlung prägen dieses einzigartige Kleinod.
Die Wanderschäferei des Mittelalters hinterließ dort ein Magerrasenbiotop, auf dem sich alljährlich das Farbenspiel einer seltenen Pflanzengesellschaft entfaltet.
Hier ist die bunte Gesellschaft der konkurrenzempfindlichen, licht- und kalkliebenden Steppenheide zu Hause. Es sind Hummel-, Bienen – und Fliegenragwurz mit Akelei, Kalkaster, Bergkronwicke und Leberblümchen vergesellschaftet. Schmetterlinge gaukeln über der verlockenden Pracht, Graslilien triumphieren mit Roten Waldvögelein und Bergwucherblume, Wildbienen und Hummeln finden eine gedeckten Tisch und bilden zusammen das einzigartige Farbenspiel der Steppenheide.

So lässt sich die Heidefläche am Weigoldsberg Südwesthang beschreiben, die der BNAN vor 30 Jahren mit Hilfe der Loki Schmidt-Stiftung aufkaufen konnte.
Seit 1979 erstellt unsere Bezirksgruppe zur Steuerung des starken Besucherverkehres jedes Jahr im April einen einfachen Abgrenzungszaun, um die empfindlichen Feinschuttflächen vor Betretungen zu schützen.
Schmetterlingshaft_smallAm 25.August 1981 musste die erste Heidepflege vorgenommen werden, denn die schmutzbefrachteten Niederschläge unserer Zeit führten zu einer raschen Verbuschung. Hier wie überall im Land wandeln sich Schafweiden und Felsregionen durch die Düngewirkung unterschiedlich schnell zum Wald zurück. Dieser Entwicklung kann nur durch eine nachhaltige Pflege, die auch den Anflug der Sträucher und Bäume einschließt, gegengesteuert werden.

Für den BNAN, der die Heide nun über 20 Jahre pflegt, ist die Erhaltung dieses Biotopes eine ernste Verpflichtung. Inzwischen wurden bei 87 Arbeitseinsätzen 1130 Stunden investiert und es läßt sich aus oben genannten Gründen nicht absehen, dass der Zaun oder gar die Pflegeeinsätze entbehrlich werden könnten, im Gegenteil.
Wir werden auch künftig weiter pflegen, wartend auf die nächste Generation, die mit uns die Heide erhalten will. Wir hoffen auf die Einsicht, dass es nur in einem Naturschutzverein möglich ist, Biotope zu pflegen, Arten kennenzulernen und ihre Lebensgemeinschaften zu verstehen!
Das Arteninventar wie das der Weigoldsbergheide bildet einen äußerst wichtigen Gen-pool und wird von uns regelmäßig untersucht und bewertet, um auf mögliche Veränderungen sofort reagieren zu können. Nur durch die Vielfalt einer Pflanzengesellschaft wird die Existenz einer reichen Insektenfauna möglich und kann so die Lebensgrundlage unserer heimischen Tierarten bilden.

Nachstehend ein Auszug aus den Erhebungen über die Weigoldsbergheide. Sie verdeutlichen den Erfolg eines konsequenten Artenschutzes.

Rote Liste: insgesamt 22 Arten
17 gefährdete Arten
5 stark gefährdete Arten

Lokale Arten mit Roter Liste Status: insgesamt 23 Arten
5 seltene und bedrohte Arten
11 sehr seltene bedrohte Arten
8 seltene Arten der Roten ListeWGBH 01 KL
8 Arten mit starker Gefährdung

Steppenheidearten: 79

Arten der Magerrasen: 79

Herkunft der Arten:
7 alpine Arten
2 atlantische Arten
7 kontinentale Arten
62 mediterrane Arten
7 ozeanische Arten

Veränderung der Vorkommen einiger seltener Arten durch die Pflegearbeiten des BNAN
Nach Aufzeichnungen von L.Walderich

Berg-Aster 14.08.1993 erste Pflanzen
10.08.2008 häufig auf der ganzen Fläche
Rotes-Waldvögelein 01.07.1990 erstes Auftreten am oberen Waldrand
17.06.2008 Verdoppelung des Bestandes
Berg-Margerite 04.06.1990 erste Pflanzen im oberen Bereich
08.06.2010 inzwischen im oberen Bereich häufig
Berg-Kronwicke 04.06.1990 erste Pflanzen im südwestlichen Bereich
08.06.2010 flächig im Südwestbereich
Wohlriechende-Händelwurz          01.07.1990 spärliche Vorkommen im unteren Bereich
23.06.2010 überall häufig
Hirschwurz 09.08.2006 erste Pflanzen im oberen Bereich
30.07.2010 inzwischen im oberen Bereich häufig


Sechsfleckwidderchen_und_Bergkronwickenwidderchen_full